Der Anfang vom Ende
Ob ich Neujahrsvorsätze für sinnvoll erachte? Ich glaube nicht. Zumindest tat ich es bisher nicht. Mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu treiben oder weniger Schokolade zu essen (wie geht das?); all diese Vorsätze sind schnell getroffen und noch schneller vergessen und somit ist die erste Enttäuschung im neuen Jahr doch schon vorprogrammiert. Spätestens mit dem Verlangen nach Nikotin und der ersten Zigarette oder aber dem tausendstem Stück Schokolade, welches geradezu dazu schreit vernascht zu werden wird klar, dass die Vorsätze mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Schokolade zu essen nicht lange anhalten. Deswegen hatte ich bisher nie welche. Bisher heißt bis Silvester des vergangenen Jahres. Das Silvester, welches ich mit Alex verbracht habe. Das Silvester, was alles verändert hat.

Während über 50 Prozent für das Jahr 2009 den Vorsatz getroffen haben sich mehr zu bewegen, sich 40 Prozent gesünder ernähren wollen, wobei das Adjektiv “gesund“ ja bekanntlich relativ ist und 35 Prozent versuchen wollen abzunehmen, sieht meine Liste ganz anders aus.
“Nie wieder Silvester mit einem Mann verbringen, mit dem ich eine Affäre habe“, das ist mein erster Vorsatz für dieses Jahr und die Ewigkeit. Mein zweiter Vorsatz “Nie wieder auf eine Affäre einlassen“ und mein dritter Vorsatz “Alex vergessen“ mit mindestens eine Millionen Ausrufezeichen.
Weniger Schokolade steht nicht auf meiner Liste. Das würde sich nämlich nicht mit Vorsatz drei vertragen. Mein Körper braucht jetzt jedes Gramm Schokolade, denn Schokolade macht ja angeblich glücklich. Ob in flüssiger oder fester Form, ob Vollmilch, Nougat, Nuss (ob es auch die anonymen Schokoholics gibt?), Zartbitter, Halbbitter, Bitterschokolade oder weiße Schokolade. Vollkommen egal. Hauptsache Schokolade. Am Besten in der Vorratspackung, denn mein Bedarf wird ansteigen. So viel steht fest. Was allerdings weniger feststeht ist die Antwort auf die Frage, wie ich Alex vergessen soll.

Ich meine, ob es für das Wandregal EXBY ROBERT von Ikea ist oder für Kondome und für den Fall, dass etwas schief läuft, für den Schwangerschaftstest, den wir uns spätestens beim Ausbleiben der Menstruation höchstwahrscheinlich kaufen werden; für alles gibt es eine Gebrauchsanleitung. Nur nicht für das Herz und den Verstand und die Frage wie ich beide dazu bringe jemanden zu vergessen, der mir so lange das Gefühl gegeben hat auf Wolken zu gehen.
Daneben gibt es tausend Installationsprogramme. Sei es für den Windows Media Player, für den MSN Messenger oder für den Internet Explorer, aber es gibt kein einziges Installationsprogramm für die Liebe oder das Entlieben und ein Deinstallationsprogramm für die Konfettibomben, die jedes Mal in meinem Bauch explodieren sobald Alex in meiner Nähe ist, schon gar nicht.
Und was ist mit Navigationssystemen? Sie berechnen unter Beachtung gewünschter Kriterien den optimalen Weg zum gewählten Ziel (Alex's Herz berühren, Teil seines Lebens sein und das auch spüren), sie führen das Fahrzeug (mich) zu diesem Ziel und sorgen dafür - ACHTUNG AUFGEPASST – dass man den optimalen Weg einhält und nicht! davon abkommt. So hilfreich diese Erfindung auch sein mag; Wieso kommt niemand darauf ein Navigationssystem für die Liebe zu entwickeln? Eines, welches Baustellen sofort erkennt und die Umleitung anzeigt? Hätte ich so ein Navigationssystem gehabt, hätte es mich vermutlich sofort darauf aufmerksam gemacht, dass Alex eine absolute Baustelle ist und mich mit Nachdruck darum gebeten, dass ich umgehend wenden soll. Ob ich darauf gehört hätte? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mir an Silvester ein Navigationssystem gewünscht hätte, welches mir zumindest anzeigt, welchen Weg ich gehen muss, um ihn zu vergessen und zwar auf dem direkten und schnellsten Weg.

Bosse singt in seinem Lied “3 Millionen“ so schön, dass das was jetzt fehlt ein Weiser ist, für den Weg, für die nächsten Wochen und ich wünschte, dass es genau diesen geben würde. Einen Wegweiser, der mir die Richtung anzeigt, denn es gibt gegen alle Beschwerden ein Medikament, für jeden Gebrauchsgegenstand eine Anleitung, aber gegen Liebeskummer gibt es nichts und wenn ich im Neujahr eines wusste als hinter mir die Wohnungstür von Alex ins Schloss fiel war es, dass ich in den kommenden Wochen Liebeskummer haben würde und Schokolade allein würde dagegen auch nicht helfen.