E-M@il fuer dich
Wie alles begann ...

In den Ohren: 2Raumwohnung – 36 Grad (und es wird noch heißer)

An: Alex ****

„Schick schick.“

LG Juli

Mit dieser E-Mail hat alles angefangen. Zugegeben, sie ist nicht gerade sehr originell, aber für Originalität habe ich leider Gottes kein Visum bekommen. „Da bist du scheinbar nicht die Einzige“ witzelt das Teufelchen auf meiner rechten Schulter und zeigt auf die E-Mail von Alex.

An: Julia *******

„Danke, aber wieso, was denn? Hätte ich jetzt ja gar nicht mit gerechnet, mit Mail und allem drum und dran :)

Schick Schick kann ich nur zurückgeben. Dein Bild und die dazugehörige Musikauswahl haben mir einfach gut gefallen."

LG zurück :)

„Er hat im Gegensatz zu ihr weder einen Zweizeiler geschrieben, noch hat er einfach zwei Adjektive aneinandergereiht“ verteidigt ihn das Engelchen, welches vor dem Bildschirm auf und ab flattert. „Seine E-Mail ist ausreichend“ relativiere ich die Aussage des Teufelchens um das Engelchen zu besänftigen. Ein ausreichend wäre auf einem Zeugnis immerhin eine vier. Mehr kann er für diese E-Mail nun wirklich nicht erwarten. „Er hat dir geschrieben, dass ihm dein Foto und die dazugehörige Musikauswahl gut gefallen haben" erinnert mich das Engelchen mit hochgezogenen Augenbrauen. „Aber scheinbar nicht gut genug um mir eine E-Mail zu schreiben, ehe ich ihm eine schreibe“ zische ich dem Engelchen zu. „Trotzdem gut genug um dir zu antworten“ beharrt das Engelchen auf seinem Recht. „Ist ja gut“ gebe ich schließlich nach, aber verwundert bin ich trotzdem immerhin war er bei StudiVZ sichtbar auf meiner Seite und obwohl ihm sowohl mein Profilbild, als auch meine Musikauswahl gefallen haben, hat er mir keine E-Mail geschrieben. Das soll mal jemand verstehen. Ich meine, wenn mir das Bild und das Profil eines Mannes gefallen, bekommt er eine E-Mail, aber pronto. Da fackel ich nicht lange. Wozu auch? Immerhin läuft auch meine innere Uhr. Gut, ich habe mich mit meinem „schick schick“ auch nicht verausgabt, aber was hätte ich ihm auch anders schreiben sollen?

„Hallo Alex,

hast du schon mal darüber nachgedacht den Akku deines Telefons mit Hilfe von Solarenergie aufzuladen? Wo wir gerade schon dabei sind: Hält dein Akku für die nächsten Stunden und hast du Lust mit mir zu telefonieren?“

Oder hätte ich mit ihm in eine Grundsatzdiskussion über den Valentinstag treten und dies hier schreiben sollen:

„Hallo Alex,

was hältst du vom Valentinstag? Gab es in diesem Jahr jemanden, dem du „Happy Valentine“ gewünscht hast und was hältst du davon den kommenden Valentinstag mit mir zu verbringen?“

Da hätte ich ihm ja gleich ein Besetzt Schild umhängen können und davon abgesehen finde ich sowieso, dass der Valentinstag völlig überbewertet wird. Außerdem ist er diskriminierend. Zumindest für Singles.
Während sich die Liebenden wie Adam und Eva im Garten Eden befinden und ihre Liebe zelebrieren, haben Singles wie ich nichts zu lachen. Im Kino sitzen wir inmitten von Paaren, die sich küssen und die ganze Zeit kichern und im Radio werden nur Love Songs wie “I just called to say I love you“ gespielt und damit wir nicht das Heulende Elend bekommen, weil uns niemand anruft nur um uns zu sagen, dass er uns liebt, müssen wir uns in einer Dauerschleife „Liebeskummer lohnt sich nicht“ anhören. Und da soll noch jemand sagen, dass der Valentinstag bei Singles kein Salz in die Wunden streut.
Was gegen Radiosender hilft, bei denen nur Love Songs gespielt werden und gegen alle glücklichen Paare, bei denen scheinbar am Valentinstag und auch nur für den Valentinstag die Liebe neu erblüht ist sind das Sofa, eine XXL Packung Eiscreme und Sex and the City (keinesfalls O.C. California. Das ist zu dramatisch). Die Kalorien werden fortan ohnehin fester Bestandteil unseres Lebens sein und wir müssen wenigstens nicht den Bauch einziehen, wenn wir Tonnen von Eiscreme essen. Außerdem können wir den ganzen Tag im Schlafanzug durch die Wohnung streifen und ob und was wir darunter tragen ist auch schnurz- piep- egal, denn außer uns selbst wird uns ohnehin niemand ausziehen. Letzten Endes müssen wir uns keine Gedanken darum machen ob und was wir verschenken sollen. Pralinen? Blumen? Beides? Ist mir vollkommen egal. Der Valentinstag ist und bleibt ein kommerzialisierter rosaroter Herzchen Feiertag und ich verzichte liebend gerne darauf und für den Fall, dass Alex und ich mal darüber sprechen sollten, werde ich ihm genau das sagen.