Sonntag, 7. März 2010
Schwerelos
In den Ohren: Peter Schilling - Major Tom voellig losgeloest

„Was ist das Beste am Sommer? Nachdem wir gestern gefragt haben, ob Du heute schon an Weihnachten denkst, geht es jetzt mal wieder um den Sommer. Gehörst Du auch zu denen, die den Sommer lieben? Oder magst Du die heißeste Jahreszeit überhaupt nicht? Warum? Gibt es dennoch irgendwas, das Du am Sommer großartig findest? Etwas, das ihn zu etwas ganz besonderem macht?“

Wow, schon 245 Kommentare. Ich scrolle mit der Maus runter. Mal sehen, was die Mitglieder von erdbeerlounge.de so geschrieben haben. Der erste Kommentar ist von Rusanne (das R ist kein Druckfehler) und sie findet, dass das Wetter das Beste am Sommer ist. Melina95 hat gepostet, dass die Sommerflirts das Beste sind und Lara87 schreibt EIS, EIS, EIS. Ich klicke mit der Maus in das leere Feld unter “Schreibe auch einen Kommentar“:

„Ich genieße die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Ich genieße es Flip Flops zu tragen oder barfuß über den Asphalt zu laufen. Ich genieße es in Straßencafés zu sitzen und Cappuccino zu trinken oder abends im Strandkorb zu sitzen, Weißwein zu trinken und dabei dem Rauschen der Wellen zuzuhören. Ich genieße es, wenn die Tropfen vom Sommerregen gegen die Fenster prasseln und es gleichzeitig draußen gewittert. All das macht den Sommer für mich großartig, aber zu etwas wirklich besonderem hat ihn die Bekanntschaft mit einem Mann für mich gemacht.“

Ich halte inne. Ist das wirklich so? Hat Alex den Sommer 2008 wirklich zu etwas besonderem für mich gemacht?
Seit ich ihn kennen gelernt habe sind jetzt drei Wochen vergangen und obwohl wir uns bisher nicht gesehen haben, schreiben wir uns jeden Tag E-M@ils.
Wir unterhalten uns über Musik und darüber wie sie die Stimmung beeinflussen kann. Wir schicken uns Links von Liedern und diskutieren deren Texte. Wir unterhalten uns über ferne Länder, über unsere Träume und Zukunftspläne. Wir reden über Liebe und über Sex, über One- Night- Stands und Affären, über Beziehungen und Trennungen und darüber, was Leidenschaft für uns bedeutet.

Alex: Leidenschaft zwischen Mann und Frau ist:

... wenn man mal einen Streit auch öffentlich ausfechtet egal wo und wann,
… wenn man alles andere um sich herum vergisst, sich lange küsst, sehr beliebt bei mir auch im strömenden Regen,
… wenn man sich nach einem Streit in den Betten wühlt,
… wenn man Eifersucht nicht einfach runter schluckt, sondern es dem Partner auch mal ins Gesicht "schreit" :) ,
… wenn man sich einfach seiner Lust hingibt und alles andere um einen herum vergessen kann.

Leidenschaft ist einfach sich auf eine Sache zu fixieren, die man unbedingt jetzt in diesem Moment will und alles dafür zu geben egal, was um einen herum passiert ...


Es geht aber auch um alltägliche Dinge. Er erzählt mir von seinem Job und ich erzähle ihm von meinem. Er beriet mich dabei welchen Toaster ich mir für meine Wohnung kaufen sollte und ich sah mir Internetseiten an, die er gestaltet hat und sagte ihm was ich davon halte. Er fragt mich wie mein Tag war und ich möchte wissen wie seiner war und manchmal sprechen wir auch über uns, darüber dass wir froh sind einander kennen gelernt zu haben. Darüber, dass wir uns endlich sehen möchten.

Ich: Erwähnte ich schon mal, wie sehr ich mich darauf freue dich bald zu sehen?

Alex: Ja, aber ich höre es immer wieder gern :) Dass ich mich freue, brauche ich hier ja nicht mehr zu erwähnen :)

Ich: Soll ich es noch mal sagen?

Alex: Sag‘ s mir nochmal :)

Ob Alex den Sommer 2008 wirklich zu etwas besonderem für mich macht? Ja, das tut er. Er gibt ihm mehr Wärme und Leichtigkeit. Manchmal fühlt es sich so an als würde ich schwerelos im Weltall fliegen. Wie ein Astronaut, der mit seinem Raumschiff die Erde verlassen hat. Ich klicke auf “Kommentar zum Thema des Tages Absenden“ und wer weiß; Vielleicht sitzen Alex und ich bald gemeinsam in Straßencafés und trinken Cappuccino.



Sonntag, 28. Februar 2010
E-M@il fuer dich
Wie alles begann ...

In den Ohren: 2Raumwohnung – 36 Grad (und es wird noch heißer)

An: Alex ****

„Schick schick.“

LG Juli

Mit dieser E-Mail hat alles angefangen. Zugegeben, sie ist nicht gerade sehr originell, aber für Originalität habe ich leider Gottes kein Visum bekommen. „Da bist du scheinbar nicht die Einzige“ witzelt das Teufelchen auf meiner rechten Schulter und zeigt auf die E-Mail von Alex.

An: Julia *******

„Danke, aber wieso, was denn? Hätte ich jetzt ja gar nicht mit gerechnet, mit Mail und allem drum und dran :)

Schick Schick kann ich nur zurückgeben. Dein Bild und die dazugehörige Musikauswahl haben mir einfach gut gefallen."

LG zurück :)

„Er hat im Gegensatz zu ihr weder einen Zweizeiler geschrieben, noch hat er einfach zwei Adjektive aneinandergereiht“ verteidigt ihn das Engelchen, welches vor dem Bildschirm auf und ab flattert. „Seine E-Mail ist ausreichend“ relativiere ich die Aussage des Teufelchens um das Engelchen zu besänftigen. Ein ausreichend wäre auf einem Zeugnis immerhin eine vier. Mehr kann er für diese E-Mail nun wirklich nicht erwarten. „Er hat dir geschrieben, dass ihm dein Foto und die dazugehörige Musikauswahl gut gefallen haben" erinnert mich das Engelchen mit hochgezogenen Augenbrauen. „Aber scheinbar nicht gut genug um mir eine E-Mail zu schreiben, ehe ich ihm eine schreibe“ zische ich dem Engelchen zu. „Trotzdem gut genug um dir zu antworten“ beharrt das Engelchen auf seinem Recht. „Ist ja gut“ gebe ich schließlich nach, aber verwundert bin ich trotzdem immerhin war er bei StudiVZ sichtbar auf meiner Seite und obwohl ihm sowohl mein Profilbild, als auch meine Musikauswahl gefallen haben, hat er mir keine E-Mail geschrieben. Das soll mal jemand verstehen. Ich meine, wenn mir das Bild und das Profil eines Mannes gefallen, bekommt er eine E-Mail, aber pronto. Da fackel ich nicht lange. Wozu auch? Immerhin läuft auch meine innere Uhr. Gut, ich habe mich mit meinem „schick schick“ auch nicht verausgabt, aber was hätte ich ihm auch anders schreiben sollen?

„Hallo Alex,

hast du schon mal darüber nachgedacht den Akku deines Telefons mit Hilfe von Solarenergie aufzuladen? Wo wir gerade schon dabei sind: Hält dein Akku für die nächsten Stunden und hast du Lust mit mir zu telefonieren?“

Oder hätte ich mit ihm in eine Grundsatzdiskussion über den Valentinstag treten und dies hier schreiben sollen:

„Hallo Alex,

was hältst du vom Valentinstag? Gab es in diesem Jahr jemanden, dem du „Happy Valentine“ gewünscht hast und was hältst du davon den kommenden Valentinstag mit mir zu verbringen?“

Da hätte ich ihm ja gleich ein Besetzt Schild umhängen können und davon abgesehen finde ich sowieso, dass der Valentinstag völlig überbewertet wird. Außerdem ist er diskriminierend. Zumindest für Singles.
Während sich die Liebenden wie Adam und Eva im Garten Eden befinden und ihre Liebe zelebrieren, haben Singles wie ich nichts zu lachen. Im Kino sitzen wir inmitten von Paaren, die sich küssen und die ganze Zeit kichern und im Radio werden nur Love Songs wie “I just called to say I love you“ gespielt und damit wir nicht das Heulende Elend bekommen, weil uns niemand anruft nur um uns zu sagen, dass er uns liebt, müssen wir uns in einer Dauerschleife „Liebeskummer lohnt sich nicht“ anhören. Und da soll noch jemand sagen, dass der Valentinstag bei Singles kein Salz in die Wunden streut.
Was gegen Radiosender hilft, bei denen nur Love Songs gespielt werden und gegen alle glücklichen Paare, bei denen scheinbar am Valentinstag und auch nur für den Valentinstag die Liebe neu erblüht ist sind das Sofa, eine XXL Packung Eiscreme und Sex and the City (keinesfalls O.C. California. Das ist zu dramatisch). Die Kalorien werden fortan ohnehin fester Bestandteil unseres Lebens sein und wir müssen wenigstens nicht den Bauch einziehen, wenn wir Tonnen von Eiscreme essen. Außerdem können wir den ganzen Tag im Schlafanzug durch die Wohnung streifen und ob und was wir darunter tragen ist auch schnurz- piep- egal, denn außer uns selbst wird uns ohnehin niemand ausziehen. Letzten Endes müssen wir uns keine Gedanken darum machen ob und was wir verschenken sollen. Pralinen? Blumen? Beides? Ist mir vollkommen egal. Der Valentinstag ist und bleibt ein kommerzialisierter rosaroter Herzchen Feiertag und ich verzichte liebend gerne darauf und für den Fall, dass Alex und ich mal darüber sprechen sollten, werde ich ihm genau das sagen.